Iran-Spring
Protest 22-01-2026

Der Kampfgeist im Iran ist ungebrochen

Der Kampfgeist im Iran ist ungebrochen

 

"Der Kampfgeist im Iran ist ungebrochen"
Hossein Yaghobi von der Gesellschaft der Deutsch-Iraner über Gewalt
des Regimes, neue Formen des Widerstands und warum dieser
Aufstand anders ist als frühere.
_arid,1903648.html 20.01.26, 08:22
Menschen protestieren am 9. Januar in Teheran gegen die Regierung: „Diesmal ist es eine Massenrevolution“,



INTERVIEW
Hossein Yaghobi
Leiter der Gesellschaft der Deutsch-Iraner
Von Christian Altmeier- Anzeige Heidelberg. Hossein Yaghobi ist Leiter der Gesellschaft der Deutsch-Iraner (GDI) und lebt
im baden-württembergischen Calw. Er musste 1985 vor der Verfolgung durch das
iranische Regime aus dem Land biehen.
Herr Yaghobi, Gnden derzeit noch Proteste im Iran statt?
Nach unseren Informationen dnden noch vereinzelt Proteste statt, aber in Form einer
militärischen Auseinandersetzung. Einige Gruppen versuchen, der Tötungsmaschinerie
des iranischen Regimes bewaffnet entgegenzutreten.
Wie ist die Stimmung bei den Menschen im Land nach der harschen Reaktion des
Regimes auf die Proteste?

Die Menschen bednden sich derzeit in einer Art Schockstarre. Dennoch gibt es wirklich
viele mutige Stimmen, die sagen, dass man diesen Weg nun bis zum Ende gehen muss.

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Sie wissen, wenn dieses Regime an der Macht bleibt, dann werden sie weiterhin
unterdrückt und diese Massenmorde würden sich wiederholen. Der Kampfgeist im Iran
ist ungebrochen.
Wie geht das Regime dagegen vor?
Es wurden schätzungsweise mehr als 16.000 Menschen getötet, deren Leichen
haufenweise aufeinander liegen und die auch im Fernsehen gezeigt werden, um die
Menschen dadurch einzuschüchtern. Es ist außerdem die Rede von 330.000
Verwundeten und 50.000 Festnahmen. Die Menschen wollen weiter protestieren, aber
sie wissen, dass sie aus dieser Situation Lektionen ziehen müssen. Gegen dieses
Regime sollte man sich besser organisieren.
Wie gefährlich ist es, in Städten wie Teheran vor die Tür zu gehen?
An den Orten, wo die Menschen normalerweise zusammenkommen, stehen nun überall
bis an die Zähne bewaffnete Spezialeinheiten in höchster Alarmbereitschaft. Ich habe
heute Morgen mit jemandem gesprochen, der drei seiner Familienangehörigen verloren
hat. Das waren einfach Menschen, die auf die Straße gegangen sind und von
Sicherheitskräften ermordet wurden.
Werden Todesurteile derzeit vollstreckt?
Laut eines Kommuniqués vom Nationalen Widerstandsrat Iran sind in den vergangenen
Tagen 127 Menschen im Iran hingerichtet worden. US-Präsident Trump hat ja dem
iranischen Regime gedankt, dass sie zugesagt haben, keine Menschen hinzurichten.
Danach gab es ein Interview mit einem Beamten des Justizministeriums. Der sagte,
ungeachtet dessen, was Trump der Lügner sagt, würden die Akten so schnell wie
möglich bearbeitet und die Terroristen – also jeder der gegen das Regime protestiert 
mit der Höchststrafe zur Rechenschaft gezogen.
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Proteste im Iran, etwa 2019 oder
2022.

Was ist diesmal anders?
Diesmal ist es komplett anders. 2019 sind die Menschen im Zuge der Verdreifachung
der Benzinpreise auf die Straße gegangen. Das waren ärmere Bevölkerungsschichten,
die ihre Wut zeigen wollten. Dieser Protest hat nicht das gesamte Land erfasst. 2022
gab es im Zuge der brutalen Ermordung von Mahsa Amini eine Art kulturellen Aufstand
für die Bürgerrechte. Aber diesmal ist es wirklich ein umfassender Aufstand, an dem sich
die Menschen bis in die entlegensten Dörfern hinein beteiligt haben.
Was ist das Ziel der Demonstranten?
Auch das unterscheidet sich diesmal grundlegend. Die Menschen wollen explizit das
Regime zu Fall bringen. Das ist zwar zum Teil auch bei den anderen Demonstrationen
der Wunsch gewesen. Aber diesmal ist es eben eine Massenrevolution. Und ein weiteres

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Merkmal dieses Aufstandes ist, dass viele Menschen sich mit Gewalt zur Wehr gesetzt
haben. Das ist den sogenannten Widerstandseinheiten der Volksmudschaheddin zu
verdanken. Es gab auch richtig militärische Auseinandersetzungen, wo diese Einheiten
versucht haben, die Demonstranten zu schützen.
Welche Rolle spielt Reza Pahlavi, der Sohn des früheren Schahs?
Reza Pahlavi ist erstmals beim Aufstand 2019 in Erscheinung getreten. Bis dahin hat das
iranische Regime auf die Karte der angeblichen moderaten Kräfte im Iran gesetzt. Sie
haben die westlichen Staaten damit in die Irre geführt. 2019 haben die Demonstranten
aber erstmals erklärt, dass sie auf keine Veränderung innerhalb des Regimes mehr
hoffen. Das heißt, dieses Sicherheitsventil wurde komplett torpediert. Und danach hat
das iranische Regime eben die Karte des Schah-Sohns gespielt, um die Proteste zu
diskreditieren.
Inwiefern?
Sie wussten, dass Pahlavi auf die Unterstützung von ausländischen Kräften setzt. Er hat
ja gezeigt, dass er auf Israel setzt und hat Benjamin Netanjahu besucht. Und Netanjahu
hat im Juni den Iran zwei Tage lang bombardiert. Pahlavi hat sicher gehofft, dass die
Iraner im Zuge dessen auf die Straße gehen und das Regime stürzen, damit er an die
Macht kommen kann. Aber damals hat sich gar nichts getan. Die Menschen, mit denen
ich gesprochen habe, haben gesagt, dass sie sich nicht zum Erfüllungsgehilfen
ausländischer Kräfte machen wollen. Das iranische Volk muss sein Schicksal selber in
die Hand nehmen. Und viele sagen, dass sie Pahlavi aufgrund der Vergangenheit, also
der Diktatur des Schahs, nicht trauen.
Pahlavi hat aber doch auch Anhänger im Iran, oder nicht?
Ja, er wird im Zuge der Propaganda, die wirklich hauptsächlich von Saudi-Arabien und
von Israel ausgeht, medial sehr, sehr wirksam aufgebläht. Daher setzen auch im Iran
manche Menschen gewisse Hoffnungen in ihn. Aber das Regime kann nur durch einen
organisierten Widerstand, der die gesamte Bevölkerung umfasst, gestürzt werden. Eine
ausländische Intervention führt zu nichts. Das iranische Regime könnte dies sogar
nutzen, um die Bevölkerung als Söldner Israels oder der USA noch stärker zu
unterdrücken.
Gibt es denn eine Oppositionsbewegung, die diesen Widerstand organisiert?
Es gibt den Nationalen Widerstandsrat, zu dem auch die Volksmudschahedin gehören.
Dieser Rat wird von Maryam Rajavi geleitet. Sie haben einen Plan für die Zeit des
Übergangs. Der Zehn-Punkte-Plan von Frau Rajavi beschreibt diesen Weg eigentlich sehr
gut. Die Volksmudschahedin haben schon seit 2015 begonnen, im Iran die
Widerstandseinheiten zu organisieren. Und viele Beobachter stellen fest, dass die
Aufstände dieses Mal einen revolutionären Charakter haben. Das ist diesen Menschen

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zu verdanken. Auch das iranische Regime gibt zu, dass die "Heuchler" – der Nationale
Widerstandsrat wird vom Regime als Heuchlerorganisation bezeichnet – hinter diesen
Aktionen steht.
Was können Deutschland und die EU tun, um die Proteste zu unterstützen?
Das iranische Volk hat unter der Beschwichtigungspolitik des Westens gelitten, der
immer wieder versucht hat, mit Iran sehr sanft umzugehen, um ja nicht die
Atomverhandlungen zu gefährden. Jetzt haben die Menschen im Iran ein paar ganz klare
Forderungen an den Westen. Zum einen soll die EU die Tötungsmaschinerie der
Revolutionsgarden auf die Terrorliste setzen. Das wird zum Glück bereits diskutiert. Der
zweite Punkt ist, dass die Iraner sagen, dass das Recht auf Widerstand gegen diese
Tötungsmaschinerie anerkannt werden soll. Menschen, die das iranische Regime
bewaffnet bekämpft haben, wie etwa die Volksmudschahedin, wurden als Terroristen
bezeichnet oder gar auf die Terrorliste gesetzt. Dieses Regime kann man aber nicht
einfach durch Demonstrationen wegkriegen. Da braucht man einen organisierten
Widerstand, der auch in der Lage ist, den Revolutionsgarden die Stirn zu bieten.

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